Jahreshauptversammlung 05.04.2019

2. Lawinenkunde- und Risikomanagementvortrag

Sensibilisierung im Hinblick auf die unsichtbare weiße Gefahr beim Tourengehen, Freeriden und Tiefschneefahren neben der Piste

Aufgrund des zunehmenden Trends des Tiefschneefahrens, welcher vor Allem durch die zahlreichen modernen Hilfsmittel wie Outdoorapps und breiten Ski zunimmt, stieg die Anzahl der Lawinenunglücke in den vergangenen Jahren drastisch an. Vor allem der leichtfertige Umgang mit der weißen Gefahr neben der Piste und dem Gedanken „Mir kann sowas eh nicht passieren“ führen nicht selten zu Unglücken. Der Skiclub Wurmannsquick will diesem Trend des unbewussten Befahrens von Tiefschneehängen entgegenwirken und veranstaltete vergangenen Freitag bereits zum Zweiten Mal nach 2016 einen Vortrag zum Thema Lawinenkunde und Risikomanagement abseits der Piste. Der Jugendwart Maximilian Ginghuber referierte anfänglich über den Schneedeckenaufbau, unterschiedliche Umwandlungsformen von Schneekristallen sowie über die Voraussetzungen für den Abgang einer Schneebrettlawine. Der Skilehrerausbilder beim Bayerischen Skiverband Tobias Fürstberger gab den vielen Zuhörern im fast vollbesetzten Rogglfinger Pfarrsaal einen Überblick über die Hintergründe der fünf Lawinenwarnstufen und demonstrierte anhand des tagesaktuellen Lawinenlageberichts für  Bayern die Einschätzung der vor Ort vorherrschenden Gefahrenmuster im alpinen Gelände.  Drauf aufbauend legte der erfahrene Freerider und Blogger Tobias Wohlmannstetter (TSV-DJK Dietfurt) die vom „Lawinenpapst“ Werner Munter entwickelte 3x3 Methode zur systematischen Planung von Variantenskifahrten von Zuhause, vor Ort und im Gelände anhand einzelner Praxisbeispiele dar. Zur Beurteilung des vorherrschenden Lawinenrisikos sowie zur Minimierung des Restrisikos gaben die drei Referenten dem Publikum eine Reihe weiterer praktischer Tipps an die Hand. So wurde das Lesen von Windzeichen, das Erkennen von gefährlichem Triebschnee sowie die Ermittlung der Hangneigung und Hangexposition geschult und auf wichtige taktische Verhaltensweisen, wie dem Einhalten von Entlastungsabständen im Aufstieg und bei der Abfahrt sowie der Wahl sicherer Standpunkte hingewiesen.

 

Da beim Befahren von Tiefschneehängen immer ein minimal zu haltendes Restrisiko bleibt, ist das Tragen einer Sicherheitsausrüstung unumgänglich und Grundvoraussetzung für die Lebendbergung eines verschütteten Schneesportlers. In aller Dringlichkeit forderte Maximilian Ginghuber die Zuhörer dazu auf, sich nur mit Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät), Sonde und Schaufel im freien Gelände zu bewegen und wies darauf hin, dass im Ernstfall Leben nur mit genügend Übung im Umgang mit der Sicherheitsausrüstung gerettet werden können. Auch durch das Tragen einer ergänzenden Notfallausrüstung kann die Überlebenswahrscheinlichkeit im Ernstfall erhöht werden, weshalb im Zuge des Vortrags drei ABS-Airbagrucksäcke von jüngeren Skiclubmitgliedern gezündet und live demonstriert wurden.  Die Kameradenhilfe als einzige wirkliche Überlebensversicherung im Ernstfall wurde vom Landesausbilder Tobias Fürstberger detailliert erklärt. Tobias Wohlmannstetter gab zudem viele zeitsparende Tipps und praktische Tricks von der Signalsuche bis zum Ausschaufeln des Verschütteten.

 

Gegen Ende des Vortrags ging Tobias Wohlmannstetter auf die kritische Lawinensituation von Anfang Januar 2019 in den Bayerischen Alpen ein und legte seine Erfahrungen im Umgang mit den Schneemassen eindrucksvoll anhand des vorherrschenden Schneedeckenaufbaus dar. Er wies auf das sehr defensiv gewählte Verhalten in diesen Wochen hin. Umrahmt wurde das sehr informative Programm von Videosequenzen mit lässigen und vor Allem sicheren Kurven im schönen Pulverschnee.

 

von links Tobias Fürstberger, Maxi Ginghuber, Tobias Wohlmannstetter
von links Tobias Fürstberger, Maxi Ginghuber, Tobias Wohlmannstetter